Akte 04

Als sie das Grab öffneten, war es leer

Er baute das Vermögen auf. Er starb 1958. Als die Familie endlich sein Grab öffnen liess, war nichts darin.

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2026


Akte 04 von 07

Kein Leichnam. Kein Sarg. Keine sterblichen Überreste. Eine Erklärung gab es nie.

Othmar Hitz, der Schweizer Kaufmann, dessen venezolanisches Vermögen die Presse in zweistelligen Millionenhöhen bezifferte, starb am 4. Juli 1958 in Caracas mit neunundfünfzig Jahren. Als offizielle Todesursache wurde Nierenversagen genannt. Seine Witwe hat das nie akzeptiert.

Sie war bis zu ihrem Lebensende überzeugt, dass er ermordet wurde. Das war ihre Überzeugung. Die Aktenlage beweist sie nicht und widerlegt sie nicht. Was die Akten zeigen, ist eine Reihe von Tatsachen, die nie jemand erklärt hat, und jede einzelne machte das Vermögen schwerer erreichbar.


Drei Punkte, die niemand erklärt hat

1958

Das Grab war leer

Die Exhumierung erforderte jahrelange Eingaben in zwei Ländern. Als sie endlich stattfand, war nichts da, was man hätte exhumieren können.

1958

Das Testament setzte seinen eigenen Anwalt als Vollstrecker ein

Die Presse in Caracas griff das Testament 1966 stattdessen wegen des Namens an: Es nennt ihn «Othmar John Hitz», während die Familie Jakob sagte. Dieser Angriff trägt nicht mehr. Der amtliche Rechnungsruf des Kreisamts Seewis im Schweizerischen Handelsamtsblatt vom 29. und 30. Januar 1960 schreibt ebenfalls «Othmar John Hitz, geb. 20. April 1899 in Chur». Endgültig klärt es das Geburtsregister in Chur.

1958

Die Todesurkunde wurde nie vollständig ausgestellt

Jedenfalls nicht in der Form, die die Schweizer Banken verlangten. Ohne sie liessen sich die Schweizer Konten nicht öffnen, und der Nachlass konnte nie vollständig beziffert werden.


Der Anwalt, dem er vertraute wie einem Bruder

Jahre zuvor hatte Othmar, um sein Vermögen während eines Steuerstreits zu schützen, alles, was ihm gehörte, auf den Namen seines Anwalts überschreiben lassen: Liegenschaften, Firmen, Konten. Er vertraute ihm, in seinen eigenen Worten, «wie meinem eigenen Bruder». Dagegen hielt er unterzeichnete Gegenurkunden, die belegten, dass die Werte in Wahrheit ihm gehörten. In den Worten eines Familienmitglieds, das es miterlebt hat, sind diese Gegenurkunden «natürlich verschwunden».

Ein leeres Grab. Ein umstrittenes Testament. Eine fehlende Urkunde. Ein Anwalt, der die Papiere hielt. Einzeln ist jedes davon ein Zufall.

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